EbiMIK: Baustoffrecycling der nächsten Generation

Bei sommerlicher Hitze machten wir uns auf den Weg ins Industriequartier von Oberglatt zur Eberhard Bau AG. Zwischen eindrücklich grossen Hallen und Lastwagen empfing uns Thomas Merz von der Eberhard Bau AG. Wir waren alle froh, dass die Führung im kühlen Sitzungszimmer startete. Dort präsentierte uns Thomas Merz mit grossem Fachwissen, wie die Eberhard Bau AG eine enkelfähige Zukunft gestaltet und wie sie an Lösungen arbeitet, damit der grösste Anteil des Abfalls, nämlich der Bauabfall, wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden kann. Jährlich fallen 80 bis 90 Millionen Tonnen Bauabfall an. Dieser muss als Rohstoff verstanden werden. Ihn wie früher einfach zu deponieren, ist eine grosse Verschwendung und wird sich auf lange Sicht nicht mehr leisten lassen – davon ist die Eberhard AG überzeugt. In verschiedenen Projekten geht das Unternehmen voran und arbeitet an Konzepten und technischen Lösungen für eine gelebte Kreislaufwirtschaft in der Baubranche. Eines dieser Projekte ermöglicht die Aufbereitung von Mischabbruch. Wenn ein Haus abgerissen wird, werden die Materialien heute häufig grob sortiert und grosse Metall- oder Holzteile schon während des Abbruchs aussortiert. Ebenso kann reiner Beton recycelt werden. Dennoch bleibt viel Material in Form von Mischabbruch übrig. Dabei handelt es sich um ein Gemisch aus verschiedenen Stoffen, das in der Regel deponiert wird und nicht weiterverwendet werden kann. Eberhard hat mit EbiMIK ein Verfahren entwickelt, mit dem sich auch dieser Mischabbruch soweit aufbereiten lässt, dass der grösste Teil davon wiederverwendet werden kann.

Nach der kurzweiligen Einführung starteten wir, gut ausgerüstet mit gelber Weste und Helm sowie einem Audiogerät, den Rundgang. Wir konnten die Anlieferungshalle besichtigen. Dort wird das Material von einem Elektrobagger grob vorsortiert und gut gemischt, bevor es auf die Sortieranlage in der Halle kommt. Seit 2021 sortiert die Anlage mit sechs Robotern Bauabfälle, die über Förderbänder durch die Anlage geführt werden. Mittels Laser, Kamera und Metalldetektor werden die einzelnen Teile kategorisiert und von den Robotern in die passenden Mulden sortiert. Es war eindrücklich zu sehen, wie die einzelnen Brocken auf dem Förderband unter dem Roboterarm durchliefen und wie dieser präzise Metall-, Holz- und Plastikteile herauspickte. Die Roboter sind zwar etwas weniger präzise als ein Mensch – immer wieder konnten wir beobachten, wie der Roboter Stücke nicht zu fassen bekam oder sie gar nicht erst erkannte –, sie arbeiten aber mit konstanter Qualität, den ganzen Tag durchgehend und sind damit doch effizienter als der Mensch. Spannend war ausserdem zu hören, dass für die Energieversorgung eine PV-Anlage auf dem Dach installiert wurde, mit der der gesamte Energiebedarf der Aufbereitung gedeckt werden kann.

Der Beton und die leicht mineralischen Stücke werden in einer Waschanlage gereinigt und nach Grösse sortiert. Sie stehen nun für eine erneute Verwendung bereit. Dass diese Stoffe wieder in den Wirtschaftskreislauf gelangen können, daran wird ebenfalls bei der Eberhard AG gearbeitet. So durften wir einen Blick in ihr Labor werfen. Dort prüfen sie Betonmischungen und entwickeln Lösungen, mit denen sich die aufbereiteten Baustoffe in hochwertige Materialien umwandeln lassen. Dazu zählen der Beton Zirkulit oder der Dämmstoff SwissporEcorit.

Zurück im kühlen Sitzungszimmer durften wir einen reichhaltigen Apéro geniessen und die vielen Eindrücke des Rundgangs Revue passieren lassen.

Bericht von Ursina Walther