Einblicke in eine invasive Art: Die Quaggamuschel

Exkursion an die eawag zum Thema Quaggamuschel, 21.08.2026

Die Quaggamuschel (Dreissena rostriformis bugensis) ist eine invasive Süsswassermuschel, die ursprünglich aus der Schwarzmeerregion stammt und in die Schweiz eingeschleppt wurde. In der Schweiz wurde die Quaggamuschel erstmals 2014 nachgewiesen. Seither hat sie sich stark ausgebreitet und in zahlreichen Schweizer Seen und Flüssen etabliert. Die Muscheln verursachen erhebliche wirtschaftliche Schäden, indem sie beispielsweise Rohre von Trinkwasserfassungen und Kühlsystemen besiedeln und verstopfen oder sich an Hafenanlagen und Booten festsetzen. Gleichzeitig verändern sie die Ökosysteme der betroffenen Gewässer tiefgreifend. Dabei gibt es durchaus «Gewinner» und «Verlierer» – ein eindrückliches Beispiel dafür, wie komplex die Wechselwirkungen innerhalb eines Ökosystems sind.

Seit April 2025 gibt es an der Eawag die Quagga-Fachstelle, die von Thomas Müller geleitet wird. Während unseres dreistündigen Besuchs hat er uns zunächst  die Biologie der Quaggamuscheln nähergebraucht und danach aufgezeigt, welche Aufgaben die Fachstelle übernimmt und welches eindrückliche Wissen über die Ausbreitung der Muscheln, aber auch über ökologische und wirtschaftliche Auswirkungen schon gewonnen werden konnte. Unsere zahlreichen Fragen beantwortete mit grossem Fachwissen. Besonders sympathisch war seine ruhige, sachliche Haltung gegenüber dem Thema, das bei einigen Teilnehmenden durchaus Emotionen auslöste.

In ihrer Entwicklung hat die Quaggamuschel ein Larvenstadium. Ihre Larven sind sehr klein (70 bis 250 µm) und mit blossem Auge kaum zu erkennen. Häufig wird die Muschel über dieses winzige Larvenstadium unbemerkt von einem Gewässer ins nächste verschleppt. In der Pause hatten wir die Gelegenheit, die Quaggamuscheln aus nächster Nähe zu betrachten. In einem Aquarium konnten wir lebende Exemplare beobachten, während in Gläsern tote Tiere und in einem Behälter zahlreiche leere Muschelschalen zu sehen waren. Besonders eindrücklich waren die winzigen Larven, die wir unter dem Stereomikroskop genauer untersuchen konnten.

Seen, in denen sich die Quaggamuschel bereits etabliert hat, werden von der Fachstelle mit einem standardisierten Verfahren regelmässig überwacht. Dadurch lässt sich einerseits die zeitliche Entwicklung innerhalb eines Sees verfolgen, andererseits können verschiedene Seen miteinander verglichen werden. An festgelegten Transekten werden dazu an bestimmten Stellen Proben vom Seegrund entnommen. Die darin enthaltenen Muscheln werden im Labor ausgezählt und weiter untersucht. Während die Probenahme am Bodensee drei Wochen braucht, dauern die darauffolgenden Arbeiten im Labor ein halbes Jahr! Ergänzt werden diese Probenahmen durch Unterwasseraufnahmen, die neuerdings mithilfe künstlicher Intelligenz ausgewertet werden können. Besonders eindrücklich ist die Erkenntnis, dass die Quaggamuscheln im Bodensee auch an den tiefsten Stellen (250 Meter) vordringen können.

Bei Seen, in denen die Quaggamuschel bisher noch nicht nachgewiesen wurde, steht für die Fachstelle die Prävention und Früherkennung im Vordergrund. Dazu werden regelmässig Wasserproben auf sogenannte Umwelt-DNA (eDNA) untersucht. Diese kann einen Hinweis auf eine noch unentdeckte Besiedlung durch die Quaggamuschel liefern.

Auch Massnahmen, die eine weitere Verschleppung verhindern sollen, spielen eine wichtige Rolle. Wie mit der Quaggamuschel umgegangen wird, unterscheidet sich derzeit allerdings von Kanton zu Kanton, da die Überwachung der Gewässer in deren Zuständigkeitsbereich liegt. So gilt beispielsweise in einigen Kantonen eine Reinigungspflicht für Boote, während andere Kantone bislang darauf verzichten. Eine schweizweit einheitliche Strategie fehlt somit leider.

Die Quagga-Fachstelle ist aber nicht nur für Forschung und Überwachung von Bedeutung. Thomas Müller erhält auch regelmässig Fotos oder Muschelfunde von aufmerksamen und besorgten Personen und ist damit eine wichtige Anlaufstelle für die Bevölkerung.

Bevor wir Thomas Müller nach drei spannenden Stunden voller Fragen und aufmerksamem Zuhören zur Hochzeit eines Freundes entliessen, zeigte er uns draussen noch einige Untersuchungsbecken, in denen Freilandexperimente zum Ökosystem See durchgeführt werden. Und ganz zum Abschluss besuchten wir den wohl am besten untersuchten Teich des Kanton Zürichs. Es handelt sich dabei um einen Teich der eawag, der jedes Jahr von Studierenden ganz genau unter die Lupe genommen. Denn darin werden mit der Fang-Wiederfang-Methode die vorhandenen Schneckenpopulationen analysiert.

Bericht von Nora Reinhardt