Zoo Zürich: Baustelle Pantanal Voliere und Tierhaltung

Heute, am bisher heissesten Tag in der Stadt Zürich seit Messbeginn, reisten wir nach Zürich, um mehr über die Pantanal-Voliere und die Tierhaltung im Zoo Zürich zu erfahren.

Beim Eingang wurden wir bereits vom stellvertretenden Direktor Andreas Hohl erwartet. Er hat den Bereich Entwicklung und Logistik während den vergangenen 27 Jahren geleitet und dabei innovative und grosse Projekte wie die Masoala-Halle, die Lewa Savanne, der Kaeng Krachan Elefantenpark und das Panthera umsetzen dürfen. Diesen Sommer wird er in den Vorruhestand gehen. Unsere heutige Führung auf der Baustelle der Pantanal-Voliere war seine letzte Führung. Wir danken ihm herzlich für seine Ausführungen!

Herr Hohl hat uns zunächst aufgezeigt, welche Ziele der Zoo Zürich grundsätzlich verfolgt (Artenschutz, Bildung, Naturschutz und Forschung) und inwiefern sich diese mit der geplanten Pantanal-Voliere umsetzen lassen. Die Pantanal-Anlage soll für die Besucher:innen die Pantanal-Region – eines der weltweit grössten Binnenfeuchtgebiete in Brasilien – erlebbar machen. Sie wird zahlreiche Tierarten beherbergen, die grösstenteils in diesem Feuchtgebiet vorkommen und gemäss der roten Liste des IUCN als gefährdet oder stark gefährdet eingestuft werden. Beispiele sind der Hyazithara, der Sonnensittich, das Goldgelbe Löwenäffchen oder das Flachlandtapir. Diese Tierarten sind zudem in einem Erhaltungszuchtprogramm, an dem der Zoo Zürich mit anderen europäischen Zoos zusammenarbeiten, um Reservepopulationen aufzubauen. Der Zoo Zürich ist auch an Naturschutzprogrammen und Forschungsarbeiten im Pantanal-Feuchtgebiet in Brasilien beteiligt.

Die Anlage der Pantanal-Voliere ist noch im Rohbau. Die Grösse der Anlage (11’000 m2) war für uns trotzdem spürbar und beeindruckend. In einem Bereich wurden bereits Innenanlagen gebaut, in welche sich die Tiere zukünftig zurückziehen können. Jedes Tier trägt unter der Haut einen Chip. Diese Chips ermöglichen es, für jede Tierart einen separaten Teilbereich der Innenanlage zu haben, indem durch das Auslesen der Chips eine andere Schleuse aufgehen wird. Die Rückwand der Innenanlage, die zur Pantanal-Voliere orientiert ist, wird in nächster Zeit mit einer Kunstfelswand verkleidet werden. Die fertige Lösswand wird für verschiedene Vogelarten (z.B. die Inkaseeschwalbe) Höhlen als Brutmöglichkeit bieten. Derzeit sind in der Wand Löcher für den Übergang zwischen der Voliere und der Innenalage und für Bruthöhlen zu sehen. Auch Drähte, mit denen die Felswand geformt wird, sind bereits zu sehen. Ebenso grosse Fundamente für die Stahlträger, über welche das Netz gespannt werden wird. Die Stahlkonstruktion ist bekanntlich aufgrund Uneinigkeiten mit der Firma Baltensberger in Verzug. Herr Hohl hat uns aber erzählt, dass zwei neue Firmen im Ausland gefunden werden konnten (die Stakotra Manufacturing s.r.o. mit Sitz in der Slowakei und die Cimolai S.p.A. aus Italien), welche die Stahlträger fertigen und montieren werden. Ein Probe-Werkstück, das die Firmen vor der Vergabe des Auftrags angefertigt haben, liegt auf dem Baustellenareal. Gemäss Herr Hohl soll die Pantanal-Anlage im Jahr 2028 fertig gestellt werden. Bis dahin gibt es aber noch einiges zu tun. Z.B. laufen gerade Forschungsarbeiten mit verschiedenen Pflanzen, die eine Flutung von ca. 40cm Wasser problemlos überstehen, nicht giftig sind für die Tiere, aber auch nicht zu stark abgeweidet werden.

Im zweiten Teil hatte uns die Zooführerin Francesca Balmelli eindrücklich aufgezeigt, wie sich die Tierhaltung im Zoo Zürich in den vergangenen Jahren verändert hat.  So gehört z.B. die ca. 90jährige Galapagos-Riesenschildkröte Nigrita noch zu den ganz wenigen Tieren im Zoo Zürich, die man – wie das früher üblich war – in der freien Wildbahn gefangen und in den Zoo gebracht hat. Heute werden die Tiere in den Zoos gezüchtet, wobei die europäischen Zoos miteinander ein Zuchtprogramm führen, mit dem sichergestellt werden soll, dass die genetische Vielfalt innerhalb einer Tierart möglichst hoch gehalten werden kann. Ausserdem werden quasi alle Tiere des Zoos mit einem raffinierten Klicker-System so trainiert, dass sogar der Tiger seine Pfote aus dem Gehege streckt für eine Blutentnahme, ohne dass grössere und stressige Eingriffe von Tierpfleger:innen nötig sind.

Auch in der Gestaltung der Zooanlagen hat sich viel getan. Die Brillenbären haben z.B. ein grosses Gehege, auf dem sie sich frei bewegen können. Futter wird in Futterboxen am Boden und Futterballen in den Bäumen platziert. Diese öffnen unregelmässig, je nach Tageszeit und je nach Individuum (auch hier helfen Chips). So bleibt es für die Tiere interessant, die Anlage immer wieder zu erkunden, nicht nur wie früher zwischen 9.00 und 17.00 Uhr sondern heutzutage sogar auch in der Nacht! Und natürlich darf in diesem Zusammenhang die Erwähnung des Panthera-Anlage nicht fehlen, die vor etwas mehr als einem Jahr eröffnet wurde. Die Anlage besteht aus vier abwechslungsreichen Gehegen (Trockenwald, Lichtung, Gebirge und Laubwald). Armurtiger, asiatische Löwen und die Schneeleoparden befinden sich jeweils in einem Gehege. Die verschiedenen Tierarten rotieren über Durchgänge immer wieder in einen neuen Bereich. Die neue Umgebung und die Gerüche der anderen Tierarten machen die Bereiche für die Tiere interessant. Ausserdem soll das natürliche Jagdverhalten der Grosskatzen gefördert werden, soweit das möglich ist, ohne lebende Beutetiere zu verfüttern. Dazu hat es in einigen Gehegen eine Futterseilbahn. Mit dieser saust das Futter mit einer Geschwindigkeit von bis zu 40 km/h durch den Lebensraum. Ist das Raubtier geschickt genug und «fängt» die Beute, hat es Glück; andernfalls muss es bis zum nächsten Tag warten, so wie in der Natur eben auch nicht jeder Jagdversuch erfolgreich verläuft.

Bericht von Nora Reinhardt