Denaturierung durch natürliche Stoffe – Eine Analyse mit Zwiebelsaft

«Insgesamt lässt sich festhalten, dass Zwiebelsaft die thermische Stabilität von BSA
reduziert und dessen Aggregation fördert. Der direkte Verlust an α-helikaler Struktur ist
nur gering. Der überwiegende Teil der CD-Signalabnahme entsteht dadurch, dass sich
das Protein zu grösseren Aggregaten zusammenlagert, die kaum noch zur CD-Absorption
beitragen. In diesem Zusammenhang liefern die UV/Vis-Messungen deutlich
verlässlichere Informationen über Aggregation und zeigen denselben temperaturabhängigen
Verlauf wie die CD-Daten.»

Maja Luzie Näf

«Denaturierung durch natürliche Stoffe – Eine Analyse mit Zwiebelsaft»

Autor: Maja Luzie Näf, Kantonsschule Büelrain

Ausgangspunkt war eine alltägliche Beobachtung: Fleisch wird in Kombination mit Zwiebeln oft besonders zart. Was viele als Küchenweisheit kennen, wurde für Sie zum Ausgangspunkt einer wissenschaftlichen Fragestellung: Können Inhaltsstoffe der Zwiebel tatsächlich Proteine verändern oder destabilisieren?

Was zunächst einfach klingt, führte Sie tief in die Welt der Biochemie und Molekularbiologie. Als Modellsystem wählten Sie das Protein Bovine Serumalbumin und untersuchten dessen Stabilität unter dem Einfluss von Zwiebelsaft. Dabei arbeiteten Sie nicht nur mit anspruchsvoller Theorie, sondern führten Ihre Experimente in einem Forschungslabor der ETH Zürich durch.

Besonders beeindruckend ist die wissenschaftliche Herangehensweise. Sie haben nicht einfach Experimente durchgeführt, sondern zunächst systematisch Vorversuche geplant, verschiedene Messmethoden evaluiert und deren Eignung kritisch geprüft. Erst danach entwickelten Sie ein Untersuchungsdesign, das belastbare Aussagen ermöglichte. Genau dieses Vorgehen bezeichnet der externe Gutachter als «lehrbuchmässig».

Die Arbeit verbindet theoretische Tiefe mit experimenteller Sorgfalt. Sie mussten sich in Proteinstruktur, Denaturierungsprozesse, spektroskopische Methoden und Datenanalyse einarbeiten. Gleichzeitig galt es, Laborversuche zu organisieren, Messdaten auszuwerten und unerwartete Schwierigkeiten zu bewältigen. Gerade dort, wo Methoden nicht funktionierten oder Messungen durch Störeinflüsse erschwert wurden, zeigten Sie wissenschaftliche Reife: Ergebnisse wurden nicht schöngeredet, sondern kritisch hinterfragt und nachvollziehbar eingeordnet.

Der Gutachter hebt ausdrücklich hervor, dass Sie die entscheidenden Gedanken zu den Experimenten selbst entwickelt haben, sich vertieft in die Fachliteratur eingearbeitet und Ihren Arbeitsprozess ausserordentlich zielgerichtet organisiert haben.

Besonders gelungen ist dabei der Brückenschlag zwischen Alltag und Forschung: Aus einer einfachen Beobachtung aus der Küche entstand eine Untersuchung, die sich mit fundamentalen Fragen der Proteinchemie beschäftigt. Genau solche Arbeiten zeigen, wie Wissenschaft entsteht – durch Neugier, kritisches Denken und die Bereitschaft, einer Idee konsequent nachzugehen.

Ein herzlicher Dank gilt auch Ihrem Betreuer Richard Weber sowie allen Personen, die Sie bei den Laborarbeiten unterstützt haben.

Maja, Sie haben mit Ihrer Arbeit eindrücklich gezeigt, wie naturwissenschaftliches Arbeiten auf Gymnasialstufe aussehen kann: eigenständig, präzise, kreativ und mit grossem persönlichem Engagement.

Herzliche Gratulation!

Michael Oettli, Präsident NGW