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Irrten sich die Pharaonen? Charles Darwin und die Folgen der Inzucht

Prof. Dr. Lukas Keller, Direktor Zoologisches Museum, Uni ZH
Freitag, 20. Februar 2009, 20.00 Uhr
ZHAW, grosser Physikhörsaal, Technikumstrasse 9, 8400 Winterthur

Ist Inzucht eine erstrebenswerte Art der Fortpflanzung? Die Pharaonen beantworteten diese Frage noch klar mit «Ja». Bei den griechischen Normalbürgern war die Inzucht bereits verboten. Als Charles Darwin diesem Thema ein ganzes Buch widmete, galt es als erwiesen, dass anhaltende Inzucht mehrheitlich negative Folgen hat. Aber erst seit der Wiederentdeckung der mendelschen Vererbungslehre und der Entwicklung der mathematischen Beschreibung evolutiver Vorgänge ist es möglich, die Folgen der Inzucht ursächlich zu erklären.

Auch die Naturschutzbiologie entwickelte ein Interesse an Fragen der Inzucht. Bei Kleinstpopulationen ist die Inzucht eine unvermeidbare Konsequenz, zum Beispiel bei der vom Aussterben bedrohten Floreana Spottdrossel auf den Galapagos Inseln. Sie ist nicht nur für den Naturschutz, sondern auch für die Evolutionsbiologie von besonderem Interesse. Der junge Charles Darwin bemerkte, dass sie auf den verschiedenen Inseln unterschiedlich aussahen. Diese Beobachtung wurde zu einem zentralen Pfeiler bei der Entwicklung seiner Theorie der natürlichen Selektion.

Heute untersucht Lukas Kellers Team mit Hilfe modernster molekularbiologischer Methoden die Galapagos Spottdrosseln auf Galapagos erneut (Bild). Im Vortrag zeigt er, welche Folgen die Inzucht aus evolutions- und naturschutzbiologischer Sicht hat. Dabei spielen Erkenntnisse von Spottdrosseln und Darwinfinken auf den Galapagos, von Singammern in Kanada und Steinböcken in der Schweiz eine zentrale Rolle.

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