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Schlafkrankheit – neue Medikamente für eine alte Seuche

Prof. em. Thomas Seebeck, Institut für Zellbiologie, Uni Bern
Freitag, 27. Februar 2015 – 20.00 Uhr
ZHAW, grosser Physikhörsaal, Technikumstrasse 9, 8400 Winterthur

Die menschliche Schlafkrankheit ist eine klassische «vergessene Krankheit» («neglecteddi-sease»). Sie wird von einzelligen Parasiten (Trypanosomen) verursacht, die von der Tse-Tse-Fliege übertragen werden. Schlafkrankheit kommt nur in abgelegenen, ländlichen Gegenden von Afrika südlich der Sahara vor. Sie betrifft damit weder Touristen noch hochrangige Regierungsbeamte noch Journalisten und bleibt deshalb zumeist unsichtbar. Ihre Folgen für die betroffenen Bevölkerungen sind aber verheerend. Zum einen verläuft die Krankheit für den Menschen ohne medikamentöse Behandlung unabwendbar tödlich, und zum andern befällt derselbe, oder ein genetisch sehr nahe verwandter Erreger viele Nutztiere und verursacht enorme ökonomische Schäden.

Die medikamentöse Behandlung der Schlafkrankheit beruht nach wie vor auf nur drei oder vier Substanzen, die zum Teil katastrophale Nebenwirkungen haben und in keiner Weise modernen Ansprüchen an Medikamente entsprechen. So verläuft die Standardbehandlung für die Spätphase der Schlafkrankheit mit dem Wirkstoff Melarsoprol für etwa 10 Prozent der Patienten wegen toxischer Nebenwirkungen tödlich.

In den letzten Jahren sind unter der Ägide der WHO und mit Unterstützung grosser Sponsoren wie der «Rockefeller Stiftung», des «Welcome Trust», die EU und der «Bill and Melinda Gates Foundation» grosse Anstrengungen unternommen worden neue Medikamente gegen die Schlafkrankheit zu entwickeln. Dabei hat die Gruppe um den heute emeritierten Wissenschaftler, Thomas Seebeck, an der Uni Bern Frontarbeit geleistet und spezifische Enzyme als potenzielle Ziele für neue Medikamente identifiziert. Die Entwicklung solcher Wirkstoffe ist im Moment in vollem Gang und wird durch ein neues Forschungsprogramm (PDE4NTD) durch das 7. Rahmenprogramm der EU unterstützt. Für die Betroffenen besteht damit ein wichtiger Hoffnungsschimmer.

Der Vortrag ist öffentlich und gratis. Gäste sind herzlich willkommen.

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